zurück

TWO PLAY
TO KNOW

Portrait Konzert
11. Oktober 2018, Distillery


Das Porträtkonzert in der Distillery, als Auftaktveranstaltung der zweiten Spielzeit von Two Play to Play liegt hinter uns. Für alle, die nicht dabei sein konnten, hier in gewohnter Weise eine Zusammenfassung der Ereignisse.

Fand das Porträtkonzert voriges Jahr noch im Rahmen der Audio Invasion statt, und wurde lediglich der frei arbeitende Musiker musikalisch porträtiert, so gibt es dieses Jahr eine Planänderung. Die zeigt sich darin, dass beide Musiker*Innen vorgestellt werden, dass sich beide in einer »Face to Face« Situation eine Bühne teilen, und dass diese Bühne auf die Tanzfläche der Distillery verlegt wird. Diese veränderte Ausgangssituation bedeutet für die Organisatoren, mit der Anlieferung des Flügels aus dem Gewandhaus in die Distillery, um Punkt neun Uhr, einen frühen Start in den Abend. (Wer wissen will, wie lange es dauert, einen Konzertflügel vom Parkplatz über die Laderampe, in die Distillery zu tragen, wir können es jetzt ganz genau sagen: fünf Minuten.) Weiter geht es mit dem Aufbau des Equipments von The Micronaut, zu dem auch ein Fahrrad gehört. Es folgt der Soundcheck, fachkundig unterstützt von Matze, dem Distillery-Techniker. Das Licht wird eingerichtet und 60 Papphocker gefaltet, die rund um den Flügel angeordnet werden. Tahlia Petrosian erscheint zum frühen Nachmittag um sich mit der Örtlichkeit vertraut zu machen und sich, gemeinsam mit der Pianistin Silke Peterson, einzuspielen. Für beide MusikerInnen ist die Distillery, als Aufführungsort Neuland, was aber nicht ins Gewicht fällt, da das eingespielte Team der Distillery, und auch hier wieder der Verweis auf Techniker Matze, für eine unaufgeregt, »fachkundige« Umgebung sorgt.

19 Uhr gibt es einen Wachwechsel im Kassenhäuschen der Distillery, es übernimmt, nach einer kurzen Einweisung im bestempeln von Personen, das Personal des Gewandhaus zu Leipzig. Um 19.30 ist Einlassbeginn und der Raum füllt sich schnell. Um 20 Uhr warten ci.100 Leute gespannt auf die Musik, die da kommen mag. Zuerst kommt allerdings Marie Kristin Landes auf die Bühne/Tanzfläche um das Publikum zu begrüßen und, gemeinsam mit Karen Laube, das Format »Two Play to Play« zu erläutern. Tahlia Petrosian und The Micronaut/Stefan Streck werden vorgestellt und, von Marie Kristin Landes, kurz zu dem Projekt und ihren Berührungspunkten mit elektronischer bzw. klassischer Musik befragt. Beide geben an, keine Berührungspunkte mit dem musikalischen Bereich des anderen zu haben, allerdings sieht Thalia Petrosian in der Mechanik der Spieluhr, die den Überbegriff für die gemeinsame Spielzeit bildet, Parallelen zur elektronischen Musik.

Nach diesem kurzen Vorgespräch beginnt das Konzert. Tahlia Petrosian und The Micronaut wechseln sich in ihrer musikalischen Darbietung ab, und ein konzentriertes Publikum hört zu. Tahlia Petrosian und Silke Peterson spielen eine Sonata für Viola und Piano von Rebecca Clark, in drei Teilen. The Micronaut stellt drei, über die Jahre, entwickelte Stücke vor. Auf der klassischen Seite kommunizieren so in ganz berührender Weise Viola und Piano miteinander, auf der elektronischen Seite werden Dancefloor-Versatzstücke intelligent miteinander verschraubt. Gab es anfangs noch bedenken, ob dieses musikalische Pingpong Prinzip aufgeht, so erweisen sich diese mit Fortschreiten des Abends als völlig unbegründet. Deutlich wird, sollte nach Gemeinsamkeiten und Unterschieden der musikalischen Darbietung gefragt werden, dass alle Musikerinnen mit einer hohen Konzentration und viel Enthusiasmus bei der Sache sind. Stefan, als Komponist und Interpret, seiner Musik, natürlich den Blick auf dem Dancefloor und ein Händchen für Effekte hat, während Tahlia Petrosian und Silke Peterson mit der Wahl ihres Stückes einen sanften Kontrapunkt zu Stefans Musik setzen. Der daraus resultierende, spontane Dialog zeigt deutlich das Potential der Zusammenarbeit auf, bringt aber auch weitere Fragen mit sich. Nach viel Beifall berichten Thalia Petrosian und The Micronaut von dem kleinsten gemeinsamen Nenner, einer möglichen Arbeitsweise, Taktdifferenzen, Hürden, die es zu nehmen gilt und wer jetzt eigentlich mehr Freiheiten hat.

Diese Themen werden zur ersten öffentlichen Probe, am 30. Oktober 2018 im Mendelssohn-Saal des Gewandhauses ganz bestimmt weiter verhandelt, an dieser Stelle aber erst einmal Danke an die Distillery im Allgemeinen, an Matze im Speziellen und an die großartige Silke Peterson!