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TWO PLAY
TO KNOW

öffentliche Probe
14. März 2018 / Gewandhaus, Chorprobensaal


Der zweite Probentermin für Gregor Meyer und Martin Kohlstedt wird mit Spannung erwartet. Im Chorprobensaal hat Martin Kohlstedt, gemeinsam mit Mario Weise sein technisches Equipment aufgebaut, das zum ersten Mal in die Probe eingebunden wird. Mario Weise, DER Tontechniker, ist sowohl für die Raumakustik als auch die Aufzeichnung der Probe verantwortlich und seit Beginn des Projektes dabei.
Neben dem Piano ist Martin nun also umgeben von einem MPC-500 Sampler, einem Korg MS-200 Synthesizer, einem Roland JU-06 Synthesizer, einem Fender Rhodes E-Piano, einem Line6 M13 Multieffektpedal sowie einem Eventide Space Hallpedal.
Der Chor hat sich bereits eingesungen und Punkt acht Uhr begrüßt Gregor Meyer die Gäste. Er geht kurz auf die Prozesshaftigkeit dieser Zusammenarbeit ein, die sich gerade in den Proben zeigt. Weder Gregor Meyer noch Martin Kohlstedt wissen vorab, ob und wie das bisherige gemeinsame Schaffen aufgeht, wenn alle Beteiligten aufeinandertreffen.
Zwei Stücke sollen heut erarbeitet werden und erarbeitet meint in der Begrifflichkeit des Chorleiters, dass der Chor auf Martin reagieren muss, dass die SängerInnen Martins Spiel wie Schatten folgen. Und genau das passiert, Martin wird verfolgt, eingeholt, stoppt das Spiel und die Seiten verkehren sich ganz plötzlich, Martin Kohlstedt denkt und der Chor fühlt. Aus diesem Fühlen heraus baut der Chor Loops, die er Martin zur Verfügung stellt und die, Schicht für Schicht, überschrieben werden.
Aus diesem Schichten und Einrasten treten die einzelnen Stücke hervor und lassen erahnen, welche Bandbreite die Uraufführung umfassen wird.
Gregor Meyer und Martin Kohlstedt gehen die Themen, von beiden als Stationen bezeichnet, gemeinsam durch und der Chor ist dabei mal Wind, mal Flüstern, mal Rhythmusmaschine.
Mal bildet der Chor die Basis für Martins Spiel und arbeitet mit ihm, mal bricht er aus und es ist Martin überlassen, ob er bändigend eingreift oder mittobt. Gregor Meyer ermuntert zu diesem Austausch und hat sichtlich Freude daran, den Chor mit seiner Wucht auf Martin loszulassen. Der musikalische Dialog ist kein leiser und das Ringen darum, wer hier wem, wann welche Freiheiten lässt ist für beide Musiker erschöpfend, wie man nach der Probe sehen kann.
Das Publikum ist ganz leise, ganz aufmerksam und zwischen den Tönen wird auch mal gelacht. Die Arbeit von Martin Kohlstedt und Gregor Meyer, das wird an diesem Abend deutlich, ist ernst.