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TWO PLAY
TO LISTEN

Uraufführung
08. Juni 2018


Es ist vollbracht - die Uraufführung des gemeinsam von Gregor Meyer und Martin Kohlstedt erarbeiten Werkes steht ins Haus. Sie bildet den Abschluss einer zehn Monate währenden Arbeitsphase, die im September 2017 begann und deren Ergebnis an einem wirklich heißen Juniabend zum ersten Mal in vollem Umfang zu hören sein wird.
Martin Kohlstedt ist seit Mittwoch in der Stadt um mit dem GewandhausChor und Gregor Meyer intensiv zu proben, Licht und Ton abzustimmen und die Reihenfolge der Stücke final festzulegen.
Donnerstagabend findet die Generalprobe im Mendelssohn-Saal statt, am Freitag Nachmittag gibt es für den GewandhausChor noch eine Stellprobe zu absolvieren und dann wird es ernst.
Die Türen des Mendelsohn-Saals öffnen sich 19.30 Uhr und in den Saal strömt das Publikum, das hinreißend divers, ganz unterschiedliche Altersgruppen und Lebensmodelle abbildet. Die Gewandhauskenner wissen, wo der Klang am Besten ist, die Plätze am Mittelgang sind zuerst belegt, und so füllt sich der Saal von der Mitte zu den Rändern hin.
Gewandhausdirektor Professor Andreas Schulz spricht ein kurzes Grußwort und gesteht, völlig ahnungslos bezüglich dessen zu sein, was gleich folgen wird.
Was folgt, ist ein atmosphärisch dicht gewebter Teppich an musikalischen Motiven, Versatzstücken, Samples und Rhythmen, die da aufgerollt werden und auf dem alle Beteiligten mal zusammen vorangehen und mal die Harmonie aufkündigen, um so noch schneller, an einen neuen Ort zu gelangen. Dieser Teppich wird dem Publikum auch gern mal unter den Füßen weggezogen, in dem Moment etwa, als der Chor die Bühne verlässt, und sich, klagende Töne mit sich tragend, im Saal neu positioniert.
Martin Kohlstedt ist, in den für ihn geschaffenen Räumen und auf Handzeichen von Gregor Meyer frei, und so perlt das Klavier mit dem Chor, mal arbeiten elektronische Effekte gegen ihn, gleich so, als ob hier miteinander gerungen wird.
Licht und Bühnennebel verstärken die pathetischen Momente, lassen die Musiker verschwinden und manchmal vermisst man die Direktheit und Unmittelbarkeit der öffentlichen Proben.
Ganz zum Schluss gibt es ein schönes Bild, der GewandhausChor atmet, wie ein großer Organismus, gleichmäßig ein und aus, wird langsamer und verstummt, auf Gregor Meyers Handzeichen hin.
Die Bühne wird dunkel und das war es, acht Stücke, modular komponiert, mit drei Buchstaben betitelt in einer 60-minütigen Aufführung. Gregor Meyer und Martin Kohlstedt werden frenetisch gefeiert, müssen dreimal auf die Bühne zurück und können es selbst nicht glauben. Der GewandhausChor wird mit ebenso viel Applaus bedacht und belohnt sich im Anschluss mit Sekt und/oder Selters im Gaudium. Viel Alkohol wurde nicht getrunken – für den GewandhausChor steht ein langes Wochenende an.
Sonnabend und Sonntag werden genutzt, um das Werk im Mendelssohn-Saal komplett aufzunehmen – das sich eine Veröffentlichung anschließen wird, steht außer Frage, wie und wann wird rechtzeitig bekannt gegeben.
Weitere Konzerttermine, außerhalb des Gewandhauses, sind ebenfalls in Planung, auch dazu mehr nach der Sommerpause.
Mit der Uraufführung ist die erste Runde von »Two Play to Play« abgeschlossen. Wir sagen an dieser Stelle Danke an die zwei Hauptakteure, Danke vor allem dafür, dass sie sich auf dieses Projekt eingelassen haben, dass sie so viele Einblicke in ihren Arbeitsprozess gewährt und uns so auf ihrem Weg ein Stück mitgenommen haben.
Ein ausführliches Interview mit Martin Kohlstedt und Gregor Meyer, über die Uraufführung, über das Stück und über ihr Fazit folgt, sobald sich die Aufregung gelegt und der Nebel verzogen hat.